ÜberwachungSH

Antwort zur Zensur vom SPD-Landesverband Schleswig-Holstein

Posted in Schleswig-Holstein by tlow on 26. Juni 2009

Gestern kam die Antwort auf eine Nachricht von mir an den SPD-Landesverband herein, in der ich die schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten aufgeforderte hatte, gegen das Zensur-Gesetz zu stimmen. Wie sich herausstellte, stimmte aber aus SH lediglich Dr.Wodarg dagegen (dafür auch hier noch mal meine Anerkennung!).

Ich dokumentiere hier die Antwort:

Sehr geehrter Herr Pfennig,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 16. Juni.

Es ist wichtig, dass die Politik und die Politiker von den Bürgern kritisch beobachtet werden. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es kein Gesetz zur allgemeinen Zensur geben wird. Jedenfalls nicht unter Beteiligung der SPD. Das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie im Internet haben wir mitgetragen, weil es sich dabei um schwere Verbrechen handelt, die sozial-ethisch auf niedrigster Stufe stehen. Die Opfer werden immer jünger und das Vorgehen immer brutaler.

In den Verhandlungen über das Gesetz mit der CDU haben wir insbesondere folgende Regelungen
durchsetzen können:

  1. Verankerung des Subsidiaritätsprinzips – Löschen vor Sperren: Die Aufnahme in die Sperrliste des BKA erfolgt nur, so weit zulässige Maßnahmen, die auf eine Löschung der Internet-Seiten mit kinderpornografischen Inhalten abzielen, keinen Erfolg haben.
  2. Kontrolle der BKA-Liste und Rechtsschutzmöglichkeiten Betroffener: Beim Datenschutzbeauftragten des Bundes wird ein unabhängiges Gremium bestellt, dessen Mitglieder mehrheitlich die Befähigung zum Richteramt haben müssen. Das Gremium kontrolliert die BKA-Liste regelmäßig und kann sie jederzeit einsehen und korrigieren, soweit die Voraussetzungen für eine Sperrung nicht vorliegen. Es wird verankert, dass gegen die Aufnahme in die Sperrliste der Verwaltungsrechtsweg gegeben ist.
  3. Datenschutz: Das Gesetz dient ausschließlich der Prävention. Verkehrs- und Nutzungsdaten, die aufgrund der Zugangserschwerung bei der Umleitung auf die Stopp-Meldung anfallen, dürfen nicht für Zwecke der Strafverfolgung verwendet werden. Damit wird auch ausgeschlossen, dass sich durch Spam-Mails fehlgeleitete Nutzer/innen einem Ermittlungsverfahren ausgesetzt sehen könnten. Zudem ist keine Speicherung personenbezogener Daten bei den Internetprovidern mehr vorgesehen.
  4. Spezialgesetzliche Regelung mit Befristung: Zur eindeutigen Klarstellung, dass nur eine Sperrung von Internet-Seiten mit Kinderpornografie ermöglicht wird, nicht jedoch von anderen Inhalten, werden die wesentlichen Regelungen in einem neuen Zugangserschwerungsgesetz statt im Telemediengesetz verankert. Zudem tritt das Gesetz automatisch zum 31. Dezember 2012 außer Kraft, so dass in jedem Falle die vorgesehene Evaluation auszuwerten ist, auf deren Basis endgültig entschieden werden kann. Zusätzlich haben wir eine Bestimmung aufgenommen, die ausschließt, dass die neu geschaffene Infrastruktur zur Durchsetzung  zivilrechtlicher Ansprüche genutzt werden kann.

Mit diesen Änderungen setzen wir die wesentlichen Forderungen aus dem SPD-Vorstandsbeschluss vom 13. Juni 2009 um. Zudem tragen wir den Bedenken Rechnung, mit dem Gesetz würde eine Infrastruktur aufgebaut, die zu anderen Zwecken als der Sperrung kinderpornografischer Inhalte genutzt werden könnte. Dies wird
durch das Gesetz gerade ausgeschlossen. Ohne das Gesetz hingegen blieben die bereits abgeschlossenen Verträge zwischen BKA und Internetprovidern über Sperrmaßnahmen gültig. Damit würde ohnehin eine Infrastruktur aufgebaut, ohne dass es
einen hinreichenden Grundrechtsschutz und  verfahrensrechtliche Sicherungen gäbe.

Mit freundlichen Grüßen
Marieke Golze

________________________________
SPD-Landesverband Schleswig-Holstein
Kleiner Kuhberg 28-30
24103 Kiel …

Also die bekannten Argumente, die zur Zeit überall gleichlautend in Antworten zu finden sind. Insbesondere dieses finde ich lustig:
Ohne das Gesetz hingegen blieben die bereits abgeschlossenen Verträge zwischen BKA und Internetprovidern über Sperrmaßnahmen gültig. Damit würde ohnehin eine Infrastruktur aufgebaut, ohne dass es einen hinreichenden Grundrechtsschutz und verfahrensrechtliche Sicherungen gäbe.

Vielleicht sollten wir dann auch gleich andere illegale Aktionen als solches legalisieren, weil es ansonsten ja dazu kommen könnte, das jemand etwas Illegales tut? Man legalisiert also im Nachhinein etwas, für das es keine rechtliche Absicherung gab. D.h. ohne das Gesetz wären diese Verträge schlicht grundgesetzwidrig. Es macht wohl keinen Sinn diesen Dialog weiterzuführen.

Was die SPD essentiell nicht versteht ist, dass es kein Zurück gibt nach diesem Einstieg in die Zensur – und dass sie nicht in der Situation sein wird, weitere Schritte zu verhindern. Zudem wie sollte es glaubhaft sein, dass sie nicht einer Verschärfung zustimmen, wenn sie dieses Gesetz mit derart fadenscheinligen Argumenten unterstützten. Sind da nicht die Argumente der Urheberrechtsindustrie sogar überzeugender, da man nun schon mal das Zensieren als Maßnahme akzeptiert hat? Und wie siehts aus mit unerwünschten Meinungen im Internet? Macht es nicht Sinn Leute wie uns auszublenden, die nur weiterer Willkür im Wege stehen? Ich sehe da keine Grenze mehr, wo ich sagen würde das die im Bundestag vertretenen Partein nicht auch diese überschreiten würden. Die GRÜNEN haben auch gezeigt, wie überzeugt sie von unseren Argumenten tatsächlich sind. Und Herr Westerwelle von der FDP war ebenfalls bei der Abstimmung nicht zugegen.

Es gibt auch in der Argumentation kein Zurück mehr – statt der Frage pro und kontra Zensurgesetz stellt sich jetzt eben die weitere Frage des Vertrauens derjenigen, die solche Gesetze verabschiedet haben. Wir können zumindest von der großen Lokalition nach Vorratsdatenspeicherung, EGK, Zensur u.a. nur weiteren Unsinn erwarten. Und daher kann es mit jenen auch keinen Dialog mehr geben, sondern nur noch Widerstand auf den verschiedensten Ebenen.

Advertisements